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Zwischen GPS und Gehirn: Wie wir Raum wirklich wahrnehmen

Unsere wissenschaftliche Mitarbeiterin Diah Irawati war auf der internationalen Konferenz Spatial Cognition 2026 an der University of Glasgow vertreten. Gemeinsam mit ihren Forschungskollegen und in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich beschäftigte sie sich mit der Frage, warum unsere Wahrnehmung von Entfernungen und Steigungen teilweise deutlich von objektiven GPS-Daten abweicht – und was diese Erkenntnisse für die Entwicklung zukünftiger intelligenter Navigationssysteme bedeuten könnten.

Wenn unser Gehirn Raum anders wahrnimmt

Kennen Sie das Gefühl, dass ein Hügel beim morgendlichen Spaziergang deutlich steiler und länger erscheint, als er tatsächlich ist? Und wenn man später zurückblickt, stellt man fest: Eigentlich war der Weg fast eben. Das ist kein subjektiver Irrtum – unser Gehirn nimmt räumliche Gegebenheiten nicht immer so wahr, wie sie sich objektiv messen lassen.

Auf der von der Universität Glasgow ausgerichteten Konferenz „Spatial Cognition 2026“ entstanden im Rahmen von Diskussionen und Workshops erste Ideen für einen neuen Forschungsansatz. Gemeinsam mit ihren Forschungskollegen und in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich stellte Diah Irawati dort ihre aktuelle Studie vor. Diese untersucht eine interessante Diskrepanz zwischen den objektiv erfassten GPS-Daten und der tatsächlichen menschlichen Wahrnehmung räumlicher Entfernungen.

Dabei zeigt sich: Menschen können sich die Abfolge von Orientierungspunkten entlang einer Route erstaunlich gut merken. Deutlich schwieriger ist hingegen die Einschätzung von Entfernungen und Steigungen. Unsere subjektive Wahrnehmung von räumlichen Distanzen und Größenverhältnissen kann erheblich von den tatsächlich gemessenen Werten abweichen.

Mehr über die Studie erfahren Sie in der Publikation „Comparing Externalization Methods for Perceived Distance and Slant on Sloped Terrain“:

https://doi.org/10.1007/978-3-032-36716-7_6

Aus diesen Erkenntnissen ergibt sich eine zentrale Frage, die Diah Irawati aufgeworfen hat:

Sollten intelligente Navigationssysteme weiterhin ausschließlich auf objektiven, geometrischen Daten basieren – oder sollten sie auch berücksichtigen, wie Menschen ihre räumliche Umgebung tatsächlich wahrnehmen?

Und falls Letzteres der richtige Ansatz ist: Wie lassen sich individuelle Besonderheiten der räumlichen Wahrnehmung in einer zweidimensionalen Informationsdarstellung abbilden?

Diese Fragen sind insbesondere für die Entwicklung zukünftiger intelligenter Navigationssysteme von Bedeutung. Denn eine optimale Navigation könnte nicht nur davon abhängen, wo wir uns befinden, sondern auch davon, wie wir unsere Umgebung wahrnehmen.