Prof. Dr. Jörg Radtke

Forschung
Forschungsprofil / Forschungsinteressen
Meine Forschung beschäftigt sich mit den gesellschaftlichen Voraussetzungen, Konflikten und Governance-Strukturen von Nachhaltigkeitstransformationen. Im Mittelpunkt stehen insbesondere die Energie- und Wärmewende, kommunale Klimaanpassung sowie die Frage, wie tiefgreifende Transformationsprozesse demokratisch, sozial robust und praktisch umsetzbar gestaltet werden können.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der kommunalen und regionalen Ebene. Ich untersuche, wie Verwaltungen, Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Bürgerinnen und Bürger bei Transformationsprozessen zusammenwirken, welche institutionellen und sozialen Konflikte entstehen und wie tragfähige Kooperations- und Beteiligungsformen entwickelt werden können.
Weitere Forschungsschwerpunkte sind Partizipation, Akzeptanz und Konfliktbearbeitung, die Umsetzung politischer Transformationsziele, lokale und regionale Akteursnetzwerke sowie der Wissenstransfer zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis. Ein zunehmend wichtiger Forschungsbereich ist die Verbindung gesellschaftswissenschaftlicher Transformationsforschung mit digitalen Instrumenten der Planung und Beteiligung, darunter Urbane Digitale Zwillinge, interaktive Visualisierung, Augmented und Virtual Reality sowie KI-gestützte Anwendungen.
Methodisch verbinde ich qualitative und quantitative Sozialforschung mit vergleichenden Fallstudien, Surveys, Dokumenten- und Diskursanalysen sowie der Analyse von Beteiligungs- und Kommunikationsprozessen. Charakteristisch für meine Forschung ist ein inter- und transdisziplinärer Ansatz, bei dem wissenschaftliche Analyse eng mit kommunalen und gesellschaftlichen Praxispartnern verbunden wird.
Forschungsinteressen
- Sozialwissenschaftliche Aspekte der Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Transformation
- Energie- und Wärmewende
- Klimaanpassung und kommunale Transformation
- Governance und Policy-Implementation
- Partizipation, Demokratie und gesellschaftliche Akzeptanz
- Transformationskonflikte und Konfliktbearbeitung
- Kommunale und regionale Akteursnetzwerke
- Soziale Innovationen und Reallabore
- Digitale Partizipation und digitale Planungsinstrumente
- Urbane Digitale Zwillinge, Visualisierung, AR/VR und KI
- Science-Policy-Interfaces und Wissenstransfer
Vita
Prof. Dr. Jörg Radtke ist seit September 2026 Professor für Soziologie der Nachhaltigkeit und Transformation an der Technischen Hochschule Ingolstadt. Zuvor war er von 2023 bis 2026 als Projektleiter und Senior Researcher am Research Institute for Sustainability (RIFS) am GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung in Potsdam tätig. Weitere wissenschaftliche Stationen führten ihn an die Universität Siegen und die Universität Bremen.
Er promovierte 2015 an der Universität Siegen im Fach Politikwissenschaft mit einer Arbeit zu „Bürgerenergie in Deutschland“. 2026 habilitierte er sich an der Universität Osnabrück mit der kumulativen Habilitationsschrift „Policy Implementation in Sustainability Transitions“ und erhielt die Venia Legendi für Politikwissenschaft.
Seine Forschung verbindet sozialwissenschaftliche Nachhaltigkeits- und Transformationsforschung mit Fragen von Governance, Partizipation, Konflikten und gesellschaftlicher Akzeptanz. Ein Schwerpunkt liegt auf anwendungsorientierter und transdisziplinärer Forschung gemeinsam mit Kommunen, politischen Institutionen, Zivilgesellschaft und weiteren Praxispartnern.
Aktuelle und anlaufende Forschungsprojekte
DecisionDistrict – Konfliktkartierung und partizipative Lösungsentwicklung für die kommunale Wärmeplanung
Laufzeit: 12/2026–11/2029
THI-Teilvorhaben: Konfliktanalyse und partizipative Lösungsentwicklung
Teilprojektleitung: Prof. Dr. Jörg Radtke
DecisionDistrict untersucht Ziel-, Nutzungs- und Verteilungskonflikte in der kommunalen Wärmewende. Ziel ist die Entwicklung und Erprobung eines Instrumentariums, mit dem Konflikte frühzeitig identifiziert, räumlich und sozial analysiert, visualisiert und in partizipativen Verfahren konstruktiv bearbeitet werden können. Dabei werden rechtliche, planerische, technische und gesellschaftliche Perspektiven miteinander verbunden.
Die THI verantwortet das Teilvorhaben „Konfliktanalyse und partizipative Lösungsentwicklung“. Im Mittelpunkt stehen die Analyse politisch-rechtlicher Rahmenbedingungen, die Untersuchung und Typisierung konkreter Konfliktlagen in Modellquartieren sowie die Evaluation der Wirkungen und Akzeptanz der entwickelten Instrumente. Die THI übernimmt dabei federführende Aufgaben in mehreren Arbeitspaketen des Verbunds.
Gemeinsam mit dem Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) am KIT, dem Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) und der Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur werden neue Formen datenbasierter und partizipativer Entscheidungsunterstützung entwickelt und in kommunalen Reallaboren erprobt.
VeloCityAdapt – Urbane Digitale Zwillinge für die kommunale Klimaanpassung
Laufzeit: 01/2026–12/2029
THI-Teilvorhaben: Partizipative Governance, digitale Beteiligung und kommunale Entscheidungsprozesse
Teilprojektleitung: Prof. Dr. Jörg Radtke
VeloCityAdapt entwickelt und erprobt Urbane Digitale Zwillinge als Instrumente zur Beschleunigung kommunaler Klimaanpassungsprozesse. Digitale Zwillinge, räumliche Datenanalysen, interaktive 3D- und XR-Visualisierungen und digitale Beteiligungsformate werden miteinander verbunden, um komplexe Klimaanpassungsmaßnahmen für Verwaltung, Politik und Bevölkerung verständlich und interaktiv zugänglich zu machen.
Der sozialwissenschaftliche Schwerpunkt untersucht, wie sich der Einsatz Urbaner Digitaler Zwillinge auf Kommunikation, Koordination und Kooperation in kommunalen Planungsprozessen auswirkt, wie unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse in digital unterstützte Planungsverfahren integriert werden können und ob Planung dadurch transparenter, nachvollziehbarer und effizienter wird.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Entwicklung und Erprobung niedrigschwelliger Beteiligungs- und Kollaborationsformate sowie auf der Analyse ihrer sozialen, organisatorischen und governancebezogenen Einbettung. Anwendungsfälle werden unter anderem gemeinsam mit den Städten Bad Berleburg und Hagen entwickelt und erprobt.
LOTSE – Lokale Organisations-, Transfer- und sichere Datenstrukturen für die beschleunigte Umsetzung kommunaler Wärmepläne
Geplante Laufzeit: 01/2027–12/2028
Förderkontext: „Vom Plan zur Wende“, 8. Energieforschungsprogramm
Anwendungsräume: Stadt Calau und Landkreis Pfaffenhofen a. d. Ilm
LOTSE setzt an einer zentralen Herausforderung der kommunalen Wärmewende an: Ein Wärmeplan allein führt noch nicht zu seiner Umsetzung. Nach Abschluss der kommunalen Wärmeplanung müssen Zuständigkeiten geklärt, Planungs- und Investitionsprozesse miteinander verknüpft, Daten kontinuierlich bereitgestellt und lokale Akteure in konkrete Umsetzungsarrangements eingebunden werden.
Das Projekt entwickelt deshalb eine integrierte kommunale Umsetzungsarchitektur aus Organisations- und Governance-Modellen, anschlussfähigen kommunalen Prozessketten, rechtssicheren Daten- und Freigabeverfahren sowie Beteiligungs- und Transferformaten. Ziel ist es, den Übergang von der strategischen Wärmeplanung zu konkreten und entscheidungsreifen Maßnahmen zu beschleunigen. Der Ansatz wird in zwei unterschiedlichen kommunalen Kontexten – der Stadt Calau und dem Landkreis Pfaffenhofen a. d. Ilm – praktisch erprobt.
Die THI bringt insbesondere vergleichende Evaluation, Beteiligungsdesign, Wirkungsperspektiven und Transfer in den Verbund ein. Dazu gehören eine vergleichende Evaluationsmatrix, Ansätze zur sozial robusten Datenanreicherung, ausgewählte Beteiligungsbausteine und eine methodische Transfersynthese.
LOTSE wird gemeinsam mit der Stadt Calau, dem Landkreis Pfaffenhofen a. d. Ilm, der RWTH Aachen und der Technischen Hochschule Ingolstadt entwickelt. Das Vorhaben adressiert den Förderaufruf „Vom Plan zur Wende“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie im Rahmen des 8. Energieforschungsprogramms.












