Ein verlassenes Zimmer, ein Friedhof, eine Landschaft, ein Gesicht: Florian Bachmeier sucht nicht das Spektakuläre. Seine Bilder erzählen von Menschen und ihrem Alltag, von den Spuren, die politische und gesellschaftliche Umbrüche hinterlassen. Für „IM OSTEN“ hat der Fotograf Arbeiten aus Tschechien, Polen, Belarus, Moldau, Georgien, Rumänien, Griechenland, Serbien und der Ukraine zusammengestellt. Entstanden sind sie zwischen 2013 und 2026.
Die Schau führt damit in Regionen, die Bachmeier seit vielen Jahren bereist. Krieg, Gewalt und Migration bilden häufig den Hintergrund seiner Arbeiten, stehen aber nicht allein im Mittelpunkt. Der Fotograf interessiert sich für das Leben unter veränderten Bedingungen: für Nähe und Verlust, Rituale und Erinnerung, Verletzlichkeit und Würde. Seine zurückhaltende Bildsprache richtet den Blick auf das, was jenseits der großen Nachrichtenbilder geschieht.
Internationale Anerkennung erhielt Bachmeier mit dem World Press Photo Award in der Kategorie Europe Singles. Ausgezeichnet wurde seine Aufnahme der sechsjährigen Anhelina im ukrainischen Borschtschiwka. Das stille Porträt eines vom Krieg traumatisierten Kindes gehört zu den Werken, die nun auch in Neuburg zu sehen sind.
Einen besonderen Rahmen erhält „IM OSTEN“ durch den Ausstellungsort selbst. Das Brückenkollektiv bringt die Fotografien in die ehemalige Kaserne auf dem THI Campus Neuburg. Wo sonst Hochschulleben stattfindet, begegnen sich für fünf Wochen Fotografie, Zeitgeschichte und Öffentlichkeit. Die THI stellt dafür ihre Räume zur Verfügung und öffnet den Campus bewusst über Studium, Lehre und Forschung hinaus. Zugleich knüpft die Ausstellung an die enge Verbindung mit der Stadt Neuburg an, die das Projekt ebenfalls unterstützt.
Weitere Perspektiven eröffnet die Ukrainische Gemeinde Eichstätt mit persönlichen Gegenständen aus der Heimat. Auch die Geschichte des Ortes wird Teil des Programms: Jeden Sonntag um 15 Uhr führen Mitglieder des Brückenkollektivs über das heutige THI-Gelände und erzählen von den Gebäuden und Menschen, die es geprägt haben. An Allerheiligen entfällt der Rundgang. Die Teilnahme ist auf Spendenbasis möglich.
Eröffnet wird „IM OSTEN“ am Samstag, 3. Oktober, um 19 Uhr mit einer Vernissage. Anschließend ist die Ausstellung bis 8. November jeweils samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr im ehemaligen Kasernengebäude auf dem THI Campus Neuburg, Donauwörther Straße B83, zu sehen. Die Finissage findet am 8. November um 17 Uhr statt. Der Eintritt ist frei.
Foto: Florian Bachmeier.