Mentoring: Unterstützender Austausch unter Freunden

Philipp Knöferl ist hauptberuflich als Ingenieur in der Entwicklung Elektrik / Elektronik für die AUDI AG tätig. Seit 2018 engagiert er sich nebenbei als Mentor im Integrationscampus der Technischen Hochschule Ingolstadt. Sein erster Mentee hat bereits den Weg ins reguläre Hochschulstudium gefunden, mittlerweile betreut er den zweiten Programmteilnehmer. Im Interview spricht er über seine Beweggründe und Erfahrungen.

Porträtfoto Mann

Philipp Knöferl, Mentor im Integrationscampus. Quelle: THI

Herr Knöferl, Sie engagieren sich seit 2018 ehrenamtlich als Mentor im Projekt Integrationscampus. Was hat Sie motiviert, sich als Mentor einzubringen?
Das Thema „Flüchtlinge“ ist in aller Munde. Gefühlt hat jeder dazu eine Meinung, obwohl die meisten noch nie persönlich mit einem Geflüchteten gesprochen haben. Ich wollte mir daher selbst eine Meinung bilden und die betroffenen Menschen kennenlernen. Ich habe mir überlegt, wie ich unterstützen kann und wo meine Interessen und Stärken liegen, die ich einbringen kann. Dazu zählt mein Interesse an anderen Kulturen, sowohl auf privaten Reisen als auch beruflich. Dort habe ich regelmäßig Kontakt zum asiatischen Kulturkreis. Nach meinem Studium an der THI kann ich zudem auf einige Tipps und Erfahrungen zurückgreifen, die ich den Studienanwärtern weitergeben kann. Damit war die Aufgabe als Mentor am Integrationscampus für mich eine passende Kombination aus meinen Interessen und Kompetenzen.

Wie verlief der Einstieg in das Mentorenprogramm? Und welche Erinnerung haben Sie an das erste Treffen mit ihren Mentees?
Nachdem ich mich als Mentor bereit erklärt hatte, verlief die Vermittlung und der Austausch der Kontaktdaten sehr unkompliziert über die Leitung des Integrationscampus. Die ersten Treffen hatten wir der Einfachheit halber direkt am Campus der THI vereinbart. Ich war bei beiden Mentees sehr positiv überrascht wie gut sie die deutsche Sprache bereits beherrschten. Man konnte sofort ein normales Gespräch führen und sich ohne größere Hürden unterhalten.

Hatten Sie eine spezielle Strategie oder Herangehensweise mit ihren Mentees in Kontakt zu treten bzw. zu arbeiten?
Wir stehen über WhatsApp in Kontakt und vereinbaren die Treffen relativ spontan, je nach Bedarf. Ich halte den Austausch so unkompliziert und ungezwungen wie möglich, weil das Mentoring ja einfach nur ein Angebot von mir sein soll und keine Pflichtveranstaltung. Gleichzeitig wissen aber beide Parteien, dass der andere zu jeder Zeit verlässlich erreichbar ist.

Welche Themen bewegen Ihre Mentees? In welchen Bereichen ist Ihre Unterstützung insbesondere gefragt?
Große Themen sind die Wahl des passenden Ausbildungsberufes oder Studiengangs sowie Fragen zur Bewerbung. Ich unterstütze bei der Erstellung der erforderlichen Bewerbungsunterlagen, ob nun für einen Ausbildungsplatz, einen Studienplatz oder ein Praktikum und ich helfe bei formalen Hürden, wie dem BAföG-Antrag. Wir sprechen über fachliche Themen die das Studium betreffen und ich gebe Tipps für den Studienalltag hier in Deutschland. Wichtig ist meinen Mentees in erster Linie ihre Deutschkenntnisse durch entsprechende Sprachpraxis zu verbessern.

Gibt es Momente, die Ihnen nachhaltig in Erinnerung geblieben sind?
Man bekommt von Anfang an sehr viel Dankbarkeit entgegengebracht. Gleich nach dem ersten Treffen wurde ich zum Abendessen eingeladen und durfte selbst zubereitete arabische Gerichte probieren. Das war eine wirklich positive Überraschung. Auch das Sommerfest des Integrationscampus 2018 und der dortige Austausch mit anderen Mentees und Mentoren war ein sehr bleibendes Erlebnis.

Welche Empfehlungen geben Sie neuen Mentoren? Gibt es Dos und Dont‘s im Mentoring, die Sie anderen mit auf den Weg geben können?
Man sollte das Mentoring weniger als eine Aufgabe oder gar Arbeit ansehen, sondern viel mehr als einen unterstützenden Austausch unter Freunden. Die angesprochene unkomplizierte und ungezwungene Kommunikation kann dazu sicher beitragen.

Wenn Sie ein Gesamtfazit Ihrer Zeit als Mentor ziehen: Wie hat Sie diese Erfahrung persönlich geprägt?
Ich habe bisher viel über die arabische und afrikanische Kultur erfahren und die zugrundeliegenden Wertvorstellungen. Dazu haben wir auch ab und zu Diskussionen geführt, weil ich manche dieser Vorstellungen nicht teile. Das hat auf beiden Seiten Verständnis geschaffen und ist meiner Meinung nach ein wichtiger Beitrag zur Integration. Beide Mentees haben von Anfang an eine sehr positive Begeisterung versprüht, für die Chance, die sie hier in Deutschland erhalten. Von dieser Motivation kann man sich als Mentor durchaus anstecken lassen, was insofern wieder eine Gegenleistung ist. Das Mentoring ist für mich mit der Aufnahme des Studiums meiner Mentees nicht beendet. Ich bin gespannt, wie sich die beiden weiterentwickeln und wie sie auf langfristige Sicht ihr Leben in Deutschland gestalten werden.


Über den Integrationscampus
Der Integrationscampus wurde 2016 vom Institut für Akademische Weiterbildung der Technischen Hochschule Ingolstadt eröffnet. Das Qualifizierungsprogramm umfasst fachliche, sprachliche und kulturelle Ausbildungsinhalte und soll studierwillige Flüchtlinge zügig zu einem Studienabschluss führen. Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des Integrationscampus.