Zweiter Workshop „SmartBio“: Biogasanlagen als Akteur am Smart Market – Zusätzliches Erlöspotenzial heben

Ein Bericht des Instituts für neue Energie-Systeme, Bereich Energiesystemtechnik

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Schema flexible Kapazitäten im Wettbewerb um kostenoptimale Netzengpassbewirtschaftung. Quelle: THI

Der Bereich Energiesystemtechnik des Instituts für neue Energie-Systeme (InES) der Technischen Hochschule Ingolstadt (THI) hat zusammen mit den Projektpartnern Stadtwerke Rosenheim (SWRO) und KWH Netz den zweiten Workshop im Projekt SmartBio abgehalten. Aufgrund der aktuellen COVID19-Situation wurde der Workshop als Online-Seminar realisiert.

Am Vormittag wurde den 30 Workshop-Teilnehmern aus Forschung und Industrie das Grundprinzip eines Smart Markets aufgezeigt. In Vorträgen von Projektleiter Prof. Dr. Uwe Holzhammer und Wissenschaftlerin Tanja Mast wurde die Funktionsweise der marktbasierten Netzengpassbewirtschaftung nach dem THI-Smart-Market-Prinzip vorgestellt. Temporär auf die Dauer des Netzengpasses und regional auf das betroffene Netzgebiet begrenzt wird zusätzlich zu den „traditionellen Strommärkten“ (Spot-, Termin-, Regelleistungsmärkten) ein weiterer intelligenter Markt aufgespannt. Dieser ermöglicht lokal verfügbaren Flexibilitätsoptionen (Lasten und Erzeugungsanlagen) durch finanzielle Anreize zur Auflösung des Netzengpasses beizutragen und eine Abregelung von EE-Strom zu verhindern oder zumindest zu verringern. Das Forschungsprojekt SmartBio konzentriert sich dabei auf Biogasanlagen als Akteure am Smart Market und untersucht ob die Teilnahme am Smart Market zu einer Erlössteigerung für diese Anlagen führen kann.

Darüber hinaus stellte das Projektteam mit den wissenschaftlichen Mitarbeitern Tanja Mast und Benedikt Hümmer die Methodik hinter den SmartBio-Untersuchungen vor und präsentierte aktuelle Projektergebnisse, welche anschließend mit den Teilnehmer/innen diskutiert wurden. Biogasanlagen können grundsätzlich in Abhängigkeit ihrer Flexibilität in unterschiedlicher Weise und in unterschiedlichen Umfang zur Behebung von Netzengpässen beitragen, so eines der zentralen Ergebnisse. Unter bestimmten Rahmenbedingungen können im Smart Market Zusatzerlöse von bis zu 3,8 ct/kWh erzielt werden, wobei die volkswirtschaftlichen Gesamtkosten der Netzengpassbewirtschaftung durch den Smart Market im Vergleich zum im Moment etablierten Einspeisemanagement sinken. Ebenso können die aktuell durch Abregelung verlorenen EE-Strommengen durch den Smart Market einer Nutzung zugeführt werden. Sehr flexible Biogasanlagen werden tendenziell zu Netzengpasszeiten - aufgrund von niedrigen Strommarktpreisen zu diesen Zeitpunkten - nicht betrieben, weshalb der Smart Market für diese Anlagen aktuell selten eine Option wäre. Spannend könnte der Smart Market für diese Anlagen in Zukunft dann werden, wenn in Süddeutschland perspektivisch noch stärker auf PV-Stromerzeugung gesetzt wird. Bei dieser Entwicklung ist mit einer Zunahme regionaler Netzengpässe aufgrund von Strom aus Sonnenenergie zu rechnen, zu deren Behebung die flexiblen Biogasanlagen dann beitragen können, wenn gleichzeitig der deutschlandweit wirkende Strompreis aufgrund von entsprechend überregionaler Nachfragen nicht im Keller ist, stellt Prof. Holzhammer in Aussicht. Diese Zusammenhänge werden im Laufe des Forschungsprojektes noch näher untersucht und sollen im abschließenden Workshop des Forschungsprojektes SmartBio im ersten Quartal 2021 vorgestellt werden.

Vorträge über das virtuelle Kraftwerk der Stadtwerke Rosenheim SWRO (Gilbert Vogler) und Herausforderungen ländlicher Verteilnetzbetreibern am Beispiel KWH Netz (Dr. Ulrich Schwarz) rundeten den Workshop ab und waren Startpunkte eines regen Austausches zwischen Projektteam und Teilnehmern.

Das Forschungsprojekt SmartBio wird von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) mit Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefördert und ist an der Forschungsaußenstelle der THI in Neuburg an der Donau im Bereich Energiesystemtechnik angesiedelt.