Große thermische Solaranlagen: Mächtig viel Potential - ernüchternde Praxiserfahrungen

11.03.2013

Insgesamt über 250 Quadratmeter Kollektorfläche verteilt auf sieben solarthermische Anlagen betreibt die Gemeinnützige Wohnungsbau-Gesellschaft (GWG) in Ingolstadt. Warum der Wärmeertrag zwischen 99 und 950 kWh/m²a streut, erklärte Alexander Bendzko und Holger Müller beim dritten Fachforum der Reihe „Neue Energie in Gebäuden – Anlagen optimieren, Effizienz steigern“ von RegIN+.

Ein kleiner aber feiner Kreis von Solarthermie-Fachleuten folgte am 5. März der Einladung der Hochschule Ingolstadt und diskutierte mit zwei Referenten das „Optimieren großer thermischer Solaranlagen – Anlagenüberwachung, Fehlerdiagnose, Betriebsführung“. Herr Bendzko stellte die Solarthermie-Anlagen der GWG vor. Zwischen 2000 und 2004 wurden die Anlagen mit einer Investitionssumme von insgesamt rund 200.000 Euro installiert. Erst 2007 begann man damit die Wärmeerträge strukturiert zu erfassen. Die Mehrzahl der Anlagen blieben weit hinter den erwarteten Wärmeerträgen zurück, so Bendzko. Die Erklärung dafür lieferte ein mehrjähriges Monitoring der Anlagen durch das Kompetenzfeld Erneuerbare Energien der Hochschule Ingolstadt. Neben Fehlern bei der Planung, Installation und Inbetriebnahme der Systeme sei der schwache Ertrag auch darauf zurück zu führen, dass die solarthermischen Anlagen der GWG – aber auch vieler anderer Problemanlagen – oft nur als „Beiwerk“ zu konventionellen Heizungsanlagen gesehen werde, so der zweite Referent des Abends, Holger Müller. Der unrealistisch hohe Solarertrag einer Anlage von 950 kWh/m²a sei auf einen falsch eingestellten Wärmemengenzähler zurück zu führen gewesen. Daher auch das Fazit von Alexander Bendzko: „Ich baue keine Anlage mehr ohne Ertragsgarantie – vom Hersteller und vom Projektanten“.

Veranstaltungsunterlagen können über die RegIN+ Kontaktstelle angefordert werden (siehe Projektwebseite www.RegIN-plus.de). Dort finden sich auch Veranstaltungshinweise zu weiteren Terminen der beiden Vortragsreihen „Biogas Repowering“ und „Neue Energie in Gebäuden“.

Die Veranstaltung wurde durch das Projekt RegIN+ (Regeneratives Energienetzwerk Region Ingolstadt) organisiert. RegIN+, das im Kompetenzfeld Erneuerbare Energien angesiedelt ist, hat sich in den kommenden Jahren die Etablierung eines regionalen Energienetzwerkes zum Ziel gesetzt und wird durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung sowie den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert.